Wie pushen wir die Twin Transition?
Cluster, Wandel, Zukunft – KI, Energie oder Geopolitik – die Umbrüche in der Wirtschaft passieren in atemberaubendem Tempo. Wie kann die dadurch notwendige Transformation steirischer Betriebe unterstützt werden? Welche Rolle spielt dabei die SFG-Förderungsaktion „Spitzen!Leistung“? Wie lassen sich Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsprojekte dadurch gezielt fördern? Und wie kann auch der Export in Emerging Markets durch Digitalisierung & KI unterstützt werden? Fragen, die wir mit den Projektverantwortlichen der steirischen Cluster und Netzwerke am Roundtable diskutierten.
TALK IM TURM
TALK IM TURM ist ein Diskussionsformat von SPIRIT of Styria.
Jeden Monat laden wir Expertinnen und Experten zur Diskussion über ein spannendes Wirtschaftsthema an den Runden Tisch in die Redaktion an den Technopark Raaba.
ACstyria Mobilitätscluster
SILICON ALPS Cluster
Green Tech Valley Cluster
Human.technology Styria (HTS)
Holzcluster Steiermark
ICS Internationalisierungscenter Steiermark
Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie hoch schätzen Sie das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Transformation bei Ihren Mitgliedern ein?
Bei den Betrieben des SILICON ALPS Cluster liegt das Thema Digitalisierung gleichsam in der DNA. Daher ist das Bewusstsein für das Thema sehr ausgeprägt – je nach Unternehmen liegen wir hier sicher bei acht oder neun. Bei der Nachhaltigkeit ist das etwas anders – da würde ich sechs oder sieben schätzen. Generell ist das Bewusstsein für den Wandel sehr wohl vorhanden, aber die Unternehmen wissen oft nicht, wie sie es konkret angehen sollen. Aber dafür gibt es ja unser Projekt und uns als Ansprechpartner.
Das Bewusstsein im Mobilitätssektor ist sehr hoch, auf einer Skala wären das sicher neun Punkte. Transformation ist fixer Bestandteil der Mobilitätsbranche. Wir lesen und hören ja tagtäglich davon. Unsere Hauptzielgruppe sind KMU – und die tun sich generell in der Umsetzung etwas schwerer, da sie meist nicht über die Ressourcen eines Großbetriebs verfügen. Im Konzern gibt es oft eigene Abteilungen, die sich mit diesen Themen beschäftigen. Wie bereits angesprochen, ist der Begriff Nachhaltigkeit auch bei uns zwiespältig besetzt – nicht das Thema selbst, und nicht in allen Bereichen. Zu oft wird er auf einen bloßen „Öko“-Anstrich reduziert. Dabei leben wir Nachhaltigkeit täglich – nehmen wir nur die Dekarbonisierung: Es geht um saubere Antriebe, effiziente Prozesse, Ressourcenschonung. Künftig ebenso zentral sind resiliente Lieferketten und neue Geschäftsmodelle. Die Thematik bringt am Ende oftmals Ressourcen- und Kostenersparnis. Nachhaltigkeit, wie wir sie verstehen, ist damit ein handfester wirtschaftlicher Hebel. Wer nachhaltig agiert, erzielt auf mehreren Ebenen Wirkung.
Twin Transition im Green-Segment?
Das Green Tech Valley ist weltweit der Nummer 1 Tech-Hub für Klimaschutz- und Kreislaufwirtschaftslösungen. Der Wandel ist allgegenwärtig. Dementsprechend sehe ich auch unsere Betriebe im Schnitt auf der genannten Skala zumindest auf neun von zehn. Nachhaltigkeit ist – wie angesprochen – ein spezielles Thema. Viele Unternehmen denken zwar ausgesprochen nachhaltig, trotzdem kann es passieren, dass die Umsetzung im operativen Geschäft zu kurz kommt – daher braucht es einen klaren Fokus, um Nachhaltigkeit strategisch zu implementieren. Das ist der Punkt, wo unsere Förderung ansetzt.
„Der Begriff Nachhaltigkeit ist oftmals falsch besetzt – viele verbinden damit bloß einen ‚Öko‘-Anstrich. Dabei ist Nachhaltigkeit weit mehr als das. Wer es richtig versteht und lebt, erzielt einen wirtschaftlichen Mehrwert.“
Wie ist es im Bereich Life Sciences?
Ich kann mich hier anschließen und würde das Bewusstsein bei Unternehmen im Bereich Life Sciences zwischen acht und neun einordnen. Entscheidend ist aus meiner Sicht aber weniger das Bewusstsein selbst, sondern die Frage: Wie gelingt der Schritt von einzelnen Maßnahmen hin zu einer durchgängigen Transformation? Denn wenn wir von Nachhaltigkeit sprechen, reden wir ja nicht davon, einen Bienenstock vor das Firmengebäude zu stellen und bei Digitalisierung nicht bloß von der Einführung eines neuen CRM-Systems, sondern es geht stets um einen ganzheitlichen Ansatz: Wie kann das ganze Unternehmen von einer durchgehenden Strategie profitieren?
Wie geht die Holzwirtschaft damit um?
Das Schöne, gleichzeitig das Herausfordernde beim Holzcluster Steiermark ist, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette abbilden – von der Forstwirtschaft über das Gewerbe bis zur Säge- und Papierindustrie. Das geht vom Kleinunternehmen bis zum Industriebetrieb. Im Schnitt über alle Firmen würde ich sechs Punkte auf der Skala vergeben, weil unter unseren Mitgliedern wirklich alles vertreten ist – die First Mover, die ganz intensiv an der Zukunft arbeiten, und jene, die die Notwendigkeit noch nicht sehen. Die meisten wissen aber, dass sie etwas tun müssen – oft fehlt nur der letzte Entschluss: Wie gehe ich das ganze Thema Transformation systematisch an? Aber genau dafür gibt es ja das Projekt.
„Die Förderung ist kein Selbstzweck. Wir wollen, dass unsere KMU zukunftsfit bleiben oder werden – genau dafür stellt die Förderung ein ideales Instrument dar.“
Wie ist es bei exportorientierten Firmen?
Unsere Förderschiene DiGEM – Digital Gateway Emerging Markets – ist etwas weiter gefasst. Wir haben drei Schwerpunkte: Digitalisierung & KI sowie Fachkräfteakquise und Markteintritt bzw. Marktausbau – immer in Verbindung mit Emerging Markets. Wir betreuen exportorientierte Firmen unterschiedlicher Branchen. Das Bewusstsein für die Transformation ist hoch – ich würde den Wert im Schnitt zwischen sieben und acht schätzen. Den Unternehmen ist bewusst, dass die geopolitischen Umbrüche Auswirkungen haben und die Notwendigkeit steigt angesichts von US-Zöllen und dem Marktdruck Chinas, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Marktdiversifikation ist daher heute unumgänglich. Der logische Fokus ist die Ausrichtung auf Schwellenländer – als bewusste Ergänzung oder Alternative zu bestehenden Märkten. Digitale bzw. KI-gesteuerte Prozesse unterstützen dabei, neue Märkte zu erschließen.
Nachhaltigkeit ist bei vielen Firmen offenbar nicht mehr en vogue. Was bedeutet das für die Förderung und Ihre Beratung?
Digitalisierung und Nachhaltigkeit bilden gemeinsam die Twin Transition. Es stimmt: Aus dem Titel Nachhaltigkeit kommt kaum noch jemand zu uns – dafür zieht die Digitalisierung, aber auch die „Twin Transition“, umso mehr. Damit können zum Glück viele etwas anfangen und die Themen lassen sich gut verbinden. In der Praxis bedeutet es häufig: Eine Firma investiert in Digitalisierung und erhofft sich dadurch auch einen Nachhaltigkeitseffekt.
Wie gesagt, der Begriff ist oftmals falsch besetzt. In Zukunft müssen wir alle mehr denn je nachhaltig wirtschaften, weil wir schlicht weniger Ressourcen und Rohstoffe zur Verfügung haben werden und uns genau überlegen müssen, wie wir damit umgehen – nichts anderes meint der Begriff Nachhaltigkeit. Bei vielen KMU geht es ums Überleben, sie müssen Kosten sparen. Nachhaltiges Wirtschaften und ökonomischer Mehrwert sind dabei aber kein Widerspruch – die Richtung ist dieselbe.
Ganz genau! Ein nachhaltiges Unternehmen ist effizienter und spart Energie bzw. Ressourcen. Oder es erhöht sich die Mitarbeiterzufriedenheit im Unternehmen – auch das ist ein Nachhaltigkeitsthema. Doch aufgrund neuer geopolitischer Themen und damit herausfordernden Märkten ändern sich oft die Prioritäten. Folglich wird auch bei unseren Förderprojekten weniger Nachhaltigkeit nachgefragt. Umso mehr aber Themen im Bereich Digitalisierung. Durch die Twin Transition können wir das eine oft mit dem anderen verknüpfen.
„Das Coole an der Förderung: Unternehmen können sich auf ihre Transformation konzentrieren – wir übernehmen die gesamte Förderabwicklung und Bürokratie.“
Worin liegt der Mehrwert von Spitzen!Leistung aus Ihrer Sicht?
KMU haben oft nicht die Ressourcen, um sich gute Beraterinnen und Berater leisten zu können – schon gar nicht für ein umfassendes Projekt. Genau hier setzt die Förderung an – und ermöglicht KMU den Zugang zu wertvollen Beratungsleistungen. Das Coole dabei: Die gesamte Bürokratie liegt bei uns Clustern, die Unternehmen sind hier völlig entlastet und brauchen sich nicht selbst um die Anträge kümmern. Damit bleibt ihnen sehr viel Aufwand erspart. Wie gesagt: Hauptzielgruppe sind KMU, es können aber auch Start-ups mit einem gewissen Readiness-Level gefördert werden. Auch für Großunternehmen gibt es limitierte Plätze.
Kurzum: Das Unternehmen braucht keinen Förderantrag zu schreiben und erspart sich sehr viel „Papierkram“ – es muss nur den Weg zu uns finden und mit uns reden.
Die Voraussetzungen sind sehr niederschwellig. Das macht die Förderung wirklich attraktiv.
Die Unternehmen werden von uns durch den gesamten Prozess begleitet. Wir setzen uns zusammen, reden über ihre Vorhaben und Zielsetzungen – am Ende übernehmen wir den Förderprozess und die Bürokratie und klären Unklarheiten rasch und direkt. Den Unternehmen wird dadurch viel Arbeit abgenommen, wie auch das Feedback der Fördernehmer beweist. Auch die Wirkung der Förderung wird von den Unternehmen gelobt: Immer wieder hören wir, dass die Maßnahmen den Betrieben einen echten Boost gebracht haben.
Gerade EPU und KMU sehen es oft als Hemmschwelle, sich einem Förderprozess auszusetzen. Diese Sorge können wir ihnen nehmen. Als Cluster agieren wir in diesem Fall als Intermediäre und sind offiziell Antragsteller. Wir schließen auch die Verträge mit den externen Beratungsdienstleistern ab. Schließlich haben wir auch viel Erfahrung aus anderen Projekten und einen guten Überblick über die Szene. Wir stellen im Vorfeld auch die richtigen Fragen. Und versuchen in vielen Fällen dazu zu motivieren, etwas größer bzw. ganzheitlicher zu denken. Denn durch die Förderquote von 75 % kann der Antragsteller sein ursprünglich geplantes Budget quasi um den Faktor vier erhöhen. Damit kann das Beratungsprojekt eine Stufe höher angesetzt werden – und die Unternehmen bekommen einen echten Hebel für ihre Investition.
Wir denken Projekte bewusst multidimensional. Ein riesiger Benefit, vor allem für kleinere Unternehmen, die sonst nicht viel mit externen Beratungsdienstleistern umsetzen können. So kommt es immer wieder vor, dass man erst im Laufe des Gesprächs erkennt, wie man die Themen Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit im Projekt gezielt mitdenken kann, auch wenn es in der ersten Projektidee von Unternehmensseite noch nicht am Schirm war – so können datenbasierte Prozesse, nachhaltige Lieferketten oder neue zirkuläre Geschäftsmodelle entstehen.
Unserer Erfahrung nach erkennen Unternehmen oft noch nicht das gesamte Potenzial, das in Transformationsprojekten steckt. Hier können wir als Sparringspartner unterstützen und den Blick der Unternehmen schärfen für das, was alles möglich ist.
Das kann ich nur bestätigen. Der große Nutzen ist, dass ein Betrieb durch die Förderung abseits des operativen Geschäfts zusätzliche Ressourcen gewinnt. Dadurch kann sich das Unternehmen niederschwellig mit der strategischen Frage auseinandersetzen, wie es sich zukunftssicher aufstellt. Das ist auch unser Anspruch im Team: Wir wollen die Firmen bestmöglich dabei unterstützen, in ihrem Bereich Spitze zu sein.
Alle Maßnahmen werden strategisch vorbereitet und es entsteht ein Gesamtkonzept, das für die Ausrichtung des Unternehmens maßgeschneidert wird. Am Ende steht immer ein umfassendes Konzept inklusive Roadmap – keine punktuelle Einzelmaßnahme, sondern eine klare Grundlage, von der aus man sofort in die Umsetzung gehen kann.
Es ist auch unerheblich, ob die Unternehmen schon mit einer konkreten Idee kommen oder nicht. In der vorigen Periode haben wir etwa eine Firma begleitet, die entschlossen war, sich im Bereich Nachhaltigkeit zu verbessern – ohne den geringsten Plan dafür zu haben. Wir haben ihnen dann aufgezeigt, welche konkreten Möglichkeiten es gibt – und am Ende haben sie ein Bündel an Maßnahmen umgesetzt. Man sieht: Die Motivation steht an erster Stelle und alles andere wird oft erst im Zuge des Projekts gemeinsam erarbeitet.
Ähnlich ist es auch bei DiGEM. Die Unternehmen erhalten die Förderung, wir kümmern uns um die gesamte Abwicklung. Wir beraten diese ganz gezielt, sodass der Nutzen für das jeweilige KMU möglichst groß ist. Möchte ein Unternehmen beispielsweise nach Lateinamerika expandieren, definieren wir gemeinsam die Zielsetzung und den Beratungsbedarf – etwa die strategische Auswahl der geeignetsten Zielmärkte. Auf dieser Basis wird dann ein passender externer Berater beauftragt, der z. B. eine fundierte Marktanalyse erstellt und die Top-3-Zielmärkte identifiziert. Dabei kommen zunehmend auch KI-gestützte Analysetools zum Einsatz.
„Vor einem Eintritt in Emerging Markets spielen auch KI-gestützte Marktanalysen eine zunehmende Rolle – ein Schwerpunkt unseres Förderprogramms DiGEM.“
Welche Best Practice-Projekte gibt es in Ihren Bereichen?
Ein Best Practice aus unserem Valley ist das Projekt der Firma Komptech. Das Unternehmen nutzte die Förderung, um gemeinsam mit externen Beratern eine umfassende ESG-Strategie inklusive Roadmap zu erstellen. Auf Basis dieser Strategie wurden dann unterschiedliche Projekte umgesetzt: beispielsweise ein millionenschweres Pioniervorhaben in Südkorea, das indirekt sogar für den Schutz des Great Barrier Reefs eine Rolle spielt. Gleichzeitig ist auf Grundlage der ESG-Strategie das neue Headquarter in Frohnleiten entstanden – das ökologisch hochwertige, energieeffiziente Gebäude ist ein Leuchtturmprojekt, eine Millioneninvestition in Nachhaltigkeit. Man sieht: Unterschiedliche Maßnahmen, aber eine klare Strategie als Basis.
Wir haben zuletzt eine externe Beratungsdienstleistung im Bereich KI vergeben. Künstliche Intelligenz ist im Moment natürlich ein Riesenthema. Unternehmen kommen mit unterschiedlichen Ideen aus diesem Bereich auf uns zu. Im aktuellen Fall plant ein steirischer Parketthersteller, seine gesamte Customer Journey von der KI unterstützen zu lassen. Ein KI-gestützter Vertrieb soll alle relevanten Daten aufbereiten und nutzen. Ein echtes Pionierprojekt – wir sind alle schon gespannt auf das Ergebnis. Ein weiteres Top-Projekt aus der Vergangenheit: Die südsteirische Tischlerei B. Kumpusch GmbH, die traditionelles Handwerk mit Robotik verbindet, hat sich über das Förderprogramm fit für die digitale Zukunft gemacht.
Als Best Practice möchte ich die Firma Pegasus nennen. Das Unternehmen der Luftfahrtbranche ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen – sowohl bei der Mitarbeiterzahl als auch bei Technologien und Zertifizierungen. Die IT-Infrastruktur und interne Prozesse konnten bei diesem Wachstum jedoch nicht Schritt halten. Entsprechend groß war der Aufholbedarf. Ein umfassendes Upgrade war notwendig, um die nächsten Entwicklungsschritte abzusichern. Dank der Förderungsaktion konnte das Unternehmen ein umfassendes Digitalisierungsprojekt umsetzen. Laut Management hat das Projekt dem Unternehmen einen echten Innovations- und Wachstumsschub verliehen. Das ist kein untypisches Beispiel: Unternehmen wachsen rasch, während interne Abläufe oft noch auf Excel-Listen und manuellen Prozessen basieren. Diese Strukturen auf ein modernes Niveau zu heben, ist eine Herausforderung, kann aber einen entscheidenden Sprung in die Zukunft ermöglichen.
Ein ähnliches Beispiel hatten wir mit der Firma E-Lugitsch im steirischen Vulkanland. Deren Ziel lautete, endlich die Zettelwirtschaft abzuschaffen und zu digitalisieren. Inhalt des Förderprojekts war es dementsprechend, eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln. Die zentrale Frage lautete dabei: Wie können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Change-Prozess am besten mitgenommen werden? Ganz im Sinne einer starken Jobzufriedenheit im Team.
Ein spannendes Projekt aus unserem Bereich konnte die Firma bisy GmbH aus Gleisdorf realisieren. Das Biotech-Unternehmen setzte einen Schwerpunkt auf Digitalisierung und Automatisierung in der Bioprozessentwicklung. Ziel war es, Entwicklungsprozesse effizienter, schneller und datenbasierter zu gestalten und gleichzeitig Potenziale für neue digitale Geschäftsmodelle zu identifizieren. Das Projekt zeigt sehr gut, wie digitale Technologien und Automatisierung Innovationsprozesse im Life-Science-Bereich nachhaltig verändern können.
Ein Best Practice aus dem Bereich Exportwirtschaft?
Aus der aktuellen Periode darf ich die Firma Pink GmbH als spannendes Projektbeispiel nennen. Das Unternehmen mit Sitz in Langenwang möchte ihr innovatives Warmwasserspeichersystem nach Ghana exportieren und benötigt dafür eine erweiterte Machbarkeitsstudie – mit Fokus auf rechtliche und regulatorische Themen sowie marktseitige Rahmenbedingungen. Der ausgeklügelte Warmwasserspeicher wäre gerade in Regionen Afrikas sehr nützlich, wo es nicht ausreichend Warmwasser gibt. Ziel des DiGEM-Projekts ist die Entwicklung eines Markteintritts- und Vertriebskonzepts inklusive lokaler Partnerstrukturen, die Analyse etwaiger Produktanpassungen sowie der Bewertung von Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten. Ein weiteres aktuelles Best Practice betrifft die Firma Ottronic Regeltechnik, Spezialist für elektronische Systeme in der Medizintechnik und Industrie. Im Rahmen des DiGEM-Förderprojekts bereitet das Unternehmen mit Sitz in Fohnsdorf den strategischen Markteintritt in Mexiko und den lateinamerikanischen Raum vor – mit Fokus auf Markt- und Wettbewerbsanalyse, internationale Positionierung sowie die Entwicklung einer passenden Markteintritts- und Vertriebsstrategie.
„Es geht nicht um Einzelmaßnahmen wie einen Bienenstock vor dem Büro oder ein neues CRM- System, sondern um eine umfassende Strategie für die Transformation.“
Die Förderung DiGEM gilt für Emerging Markets – wie viele Länder kommen dafür in Frage?
Auf unserer Liste stehen 150 Länder, dabei haben wir uns an der Definition des Internationalen Währungsfonds orientiert. Das Spektrum reicht von Indien über Saudi-Arabien bis zum Westbalkan. In den einzelnen Ländern unterstützen uns auch die Außenwirtschaftscenter. Advantage Austria ist unser Partner seitens der WKO – deren Wirtschaftsdelegierte sitzen in 100 Ländern weltweit. Mit ihnen stehen wir in Verbindung, um die geeigneten Berater vor Ort zu finden. In vielen Projekten braucht es die Experten vor Ort.
Ein Best Practice aus unserem Bereich ist ein Nachhaltigkeitsprojekt der AT&S. Das Unternehmen hat sich das Ziel gesetzt, seinen Standort in Fehring klimaneutral zu machen, und dafür massiv in Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung investiert. Dafür wurden Experten von Joanneum Research an Bord geholt. Schwerpunkt waren Verbesserungen im Bereich Abwasserbehandlung, Chemieeinsparungen und Recyclingprozesse – alles wissenschaftlich fundiert. AT&S investiert rund 30 Millionen in den Standort, davon vier Millionen in die Bereiche Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Daran erkennt man auch den Impact, den Förderaktionen dieser Art begünstigen können.
Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich Life Science ist die PAYER Group. Das Unternehmen mit Sitz in St. Bartholomä setzte im Projekt einen Schwerpunkt auf die nachhaltige Transformation seiner Prozesse, Lieferketten und Produkte. Im Fokus standen unter anderem die Vorbereitung auf die ESRS-Berichterstattung, die Entwicklung eines Climate Transition Plans sowie die Erstellung einer umfassenden Treibhausgasbilanz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Spannend auch das Projekt der Grazer Innophore GmbH rund um Circular Business Innovation. Das Unternehmen analysierte, wie nachhaltige Wertschöpfung und Kreislaufwirtschaft strategisch in zukünftige Geschäftsmodelle integriert werden können. Das Beispiel zeigt, dass Nachhaltigkeit sehr wohl als Innovations- und Wettbewerbsfaktor verstanden wird.
Ein besonders prägnantes Beispiel aus unserem Tätigkeitsbereich ist das Grazer Jungunternehmen ProtectLiB. Die Gründer setzen gerade die erste Aufbereitungsanlage für Lithium-Ionen-Batterien in Österreich um – ein technologischer wie regulatorischer Pionierakt. Die Tätigkeit ist zwar grundsätzlich im Abfallwirtschaftsgesetz gedeckt, jedoch fehlt es an praktischer Anwendungserfahrung, da eine Aufbereitung von Batterien in Österreich bislang noch nicht umgesetzt wurde. Gemeinsam mit spezialisierten Experten wurde daher zunächst der regulatorische Rahmen erarbeitet, der den späteren Betrieb überhaupt erst ermöglicht – ein Prozess, der zeigt, dass Innovationsführerschaft nicht nur technisches Know-how erfordert, sondern auch die Fähigkeit, in rechtlichem Neuland zu navigieren. Auch im Bereich Logistik tut sich viel. Mit Wenzel Logistics und der Josef Poscharnegg GmbH gab es in der vergangenen Periode geförderte Logistikprojekte.
In den vergangenen Förderperioden wurde jeweils das gesamte Volumen ausgeschöpft. Wie entwickelt sich die Nachfrage in der aktuellen Förderperiode 2026–28?
Wir merken weiterhin eine gute Nachfrage und können nicht über einen Mangel an Interessenten klagen – hauptsächlich im Bereich Digitalisierung bzw. der Twin Transition.
Bei uns ist die Nachfrage ebenfalls sehr hoch. Wie schon in der vergangenen Förderperiode sind insgesamt wieder rund 15 Projekte geplant. Das zeigt, dass der Bedarf an Unterstützung im Bereich Transformation und Twin Transition weiterhin groß ist.
Wie zuletzt werden auch in dieser Förderperiode bei allen Clustern in Summe über 100 Projekte gefördert.
Das Interesse ist auch bei uns sehr rege. Wir haben rund 16 Projekte geplant. Die Nachfrage ist – ich darf hier für alle sprechen – überall gut. Aber die Wirtschaftslage ist volatil. Das heißt, ein gewisser Überhang an Projekten ist kein Nachteil.
Entscheidend für den Erfolg der Förderung ist auch unsere Cross-Cluster-Kommunikation – es braucht eine gute Abstimmung zwischen uns, damit keine Missverständnisse passieren und das optimale Ergebnis herauskommt.
Gemeinsame Veranstaltungen sind ein wichtiger Teil unseres Projektes. In unterschiedlichen Veranstaltungen und Formaten informieren wir zu den Themen, klären auf und zeigen vor allem Best Practice-Beispiele, damit Unternehmen voneinander lernen. So wie wir heute diesen Roundtable gemeinsam bestreiten, um unsere Branchen zu informieren.
Die Abstimmung untereinander ist so wichtig, damit das Potenzial möglichst gut ausgeschöpft wird. Ich denke, man merkt unsere gute Zusammenarbeit. Wir vernetzen, reden und tauschen uns aus – und schauen, wie wir gemeinsam im Netzwerk mehr bewegen können. Genau diese Zusammenarbeit macht den Clusterspirit in der Steiermark aus.
Es gibt im Rahmen der Förderaktion auch Awarenessmaßnahmen und Veranstaltungsformate, die jeder extra gestaltet – so wie wir im ACstyria zum Beispiel im Juli den Transformation Summit. Und es gibt Formate oder Veranstaltungen, wo wir gemeinsam Themen planen und Speaker suchen, die möglichst branchenübergreifend funktionieren.
„Aus dem Titel Nachhaltigkeit kommt heute kaum noch jemand zu uns – dafür zieht die Digitalisierung umso mehr. Mit Twin Transition lassen sich beide Themen gut verbinden.“
Wie viele Beratungsprojekte gehen später in die Umsetzung?
Die Umsetzung selbst ist nicht mehr Teil des Projekts, bildet aber in vielen Fällen den nächsten logischen Schritt. In der vergangenen Förderperiode wurden zahlreiche Projekte erfolgreich weitergeführt und in die Umsetzung übergeleitet.
Unsere Förderung geht bis zum Umsetzungsplan – das ist auch der Grundgedanke: Die Maßnahmen und die Roadmap werden zu einem sehr hohen Prozentsatz gefördert, um einen niederschwelligen Einstieg zu schaffen. Der schwierigste Schritt ist immer der erste, um einmal ins Tun zu kommen. Die Umsetzung ist der nächste Schritt, für den es wiederum eigene Förderschienen gibt. So bietet die SFG diverse Förderinstrumente, die die Umsetzung im Fokus haben.
Ihr Resümee?
Die Förderung ist einfach spitze. Das ist auch durch eine europaweite Untersuchung belegt: Vor zwei oder drei Jahren wurde erhoben, welche Förderungen im Bereich Transformation in Europa am besten funktionieren. Spitzen!Leistung hat dabei einen Spitzenplatz belegt.
Wie vorhin gesagt: Für uns Antragsteller ist es bürokratisch, aber für die Unternehmen ist es extrem unbürokratisch. Wir springen hier für unsere Mitglieder in die Bresche. Zudem ist die Förderung ein super Beispiel für Cross-Cluster-Aktivitäten. Wir sind immer im Austausch.
Die Förderung ist kein Selbstzweck. Wir wollen unsere KMU auf dem Weg der Technologieführerschaft unterstützen und diese Förderung ist ein ideales Instrument, um unsere Clusterstrategie umsetzen zu können.
Spitzen!Leistung
Die Förderaktion Spitzen!Leistung unterstützt Digitalisierungs-, Nachhaltigkeits- sowie integrierte Twin-Transition-Projekte und begleitet Unternehmen bei der Transformation.
- Gefördert werden 75 % der Kosten für externe Beraterinnen und Berater, die die Unternehmen im Prozess begleiten. Maximale Förderung: bis zu 45.000 Euro pro Projekt.
- Unternehmen beziehen die Förderung über antragsberechtigte Cluster-/Netzwerksorganisationen, die den Förderantrag als Intermediäre für die Unternehmen abwickeln.
- Finanziert durch die SFG-Förderung Spitzen!Leistung und kofinanziert durch die Europäische Union
(IBW/EFRE & JTF Programm) - Die Förderaktion ist bereits in der 4. Periode.
Spitzen!Leistung wird in den einzelnen Clustern
unter unterschiedlichen Namen vermarktet:
- Enabling Transformation – ACstyria
- TopRunner – Green Tech Valley Cluster (Förderung gibt es auch in Kärnten)
- Spitzen!Leistung Holz 4.0 – Holzcluster Steiermark
- Enabling Transformation Plus – Human.technology Styria (HTS)
- Peak Performer – SILICON ALPS Cluster (Förderung gibt es auch in Kärnten)
Das Pendant im ICS (Internationalisierungscenter Steiermark) nennt sich DiGEM (Digital Gateway Emerging Markets) und beinhaltet drei Schwerpunkte: Digitalisierung & KI, internationale Fachkräfteakquise sowie Markteintritt und -ausbau.
Infos unter:
Fotos: Oliver Wolf / In Kooperation mit den steirischen Clustern und Netzwerken. Illustration: iStock