WKO-Barometer zeigt Stillstand in der Krise: Mehrheit der Betriebe meldet Verschlechterung
Die steirische Konjunktur bleibt in einer rezessiven Phase
Das aktuelle Wirtschaftsbarometer der WKO Steiermark zeigt, dass sich die leichten Aufhellungen aus der Sommerumfrage nicht bestätigt haben. 60,7 Prozent der Unternehmen melden eine Verschlechterung des aktuellen Wirtschaftsklimas, nur 6,0 Prozent eine Verbesserung – ein Saldenwert von -54,7 Prozentpunkten. Zwar liegt dieser leicht über dem letzten Wert (-58,7), doch ein klarer Trend nach oben ist nicht erkennbar. Bei den Erwartungen fällt der Saldo sogar deutlich von -26,6 auf -43,2 Prozentpunkte, mehr als die Hälfte der Betriebe blickt skeptisch auf die kommenden zwölf Monate.
Auch die Einschätzungen zur eigenen Unternehmensentwicklung bleiben überwiegend negativ. Mit Ausnahme des Preisniveaus liegen alle Saldenwerte im Minus: Gesamtumsatz -4,1 Prozentpunkte, Auftragslage -12,3, Investitionen -10,5 und Beschäftigung -1,7. Das Preisniveau steigt weiter und erreicht +31,8 Prozentpunkte. Bei den Erwartungen ergibt sich ein ähnliches Bild: Umsatz -0,3 Prozentpunkte, Auftragslage -6,5, Investitionen -15,6 und Beschäftigung -21,7. Lediglich die Preisentwicklung bleibt mit +32,3 Prozentpunkten positiv.
WKO-Präsident Josef Herk und Direktor Karl-Heinz Dernoscheg sprechen von einer „Seitwärtsbewegung in der Rezession“ und fordern politische Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Entlastungen bei Arbeits- und Energiekosten sowie raschere Genehmigungsverfahren seien notwendig, um Investitionen zu erleichtern. Eine bereits ausgearbeitete Handlungsanleitung zur Verfahrensbeschleunigung wurde gemeinsam mit der Industriellenvereinigung und der Universität Graz vorgelegt.
WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk und Direktor Karl-Heinz Dernoscheg:
„Das Wirtschaftsklima ist und bleibt frostig, die Erholungstendenzen zögerlich. Wir appellieren an die Politik, den Faktor Arbeit spürbar zu entlasten und die Energiepreise zu senken.“
Laut Umfrage belasten vor allem hohe Arbeitskosten (75,7 Prozent), Steuern und Abgaben (52,5), Unsicherheit (52,4), Bürokratie (50,7) und Energiekosten (48,8) die Betriebe. Zusätzlich wirken Fachkräftemangel, Nachfrageschwäche und geringe Profitabilität als weitere Hemmnisse in einem weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.
Wirtschaftsklima in den Regionen
Das Wirtschaftsklima in den steirischen Regionen präsentiert sich weiterhin verhalten. Die Salden (bisher bzw. erwartet) bleiben deutlich im negativen Bereich, die Aussichten für das kommende Jahr weisen eine weniger positive Entwicklung als zuletzt auf. In der Süd-/Weststeiermark sowie der Ost-steiermark sind die stärksten Eintrübungen festzustellen, dort liegen die bisherigen Salden mit -74,4 bzw. -60,9 Prozentpunkten klar unter dem Steiermarkwert (-54,7 Prozentpunkte). In puncto Erwartungen zeigen sich die Unternehmen in der Region Murau-Murtal noch am zuversichtlichsten (Erwartungssaldo: -23,0 Prozentpunkte), gefolgt von Liezen und der Süd-/Weststeiermark (-31,9 bzw. -33,7 Prozentpunkte). Die zurückhaltendsten Einschätzungen kommen aus dem Großraum Graz (Erwartungssaldo: -48,9 Prozentpunkte), der Hochsteiermark (-48,6 Prozentpunkte) sowie der Oststeiermark (-45,2 Prozentpunkte). In diesen Regionen ist die Stimmungslage insgesamt auch angespannter als im steirischen Durchschnitt (Erwartungssaldo: -43,2 Prozentpunkte).
Was die Wirtschaft von der Politik fordert
Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts müsse oberste Priorität haben, betonen WKO-Präsident Josef Herk und Direktor Karl-Heinz Dernoscheg. Zentral seien eine Entlastung des Faktors Arbeit, die angekündigte Senkung der Energiekosten sowie schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie. Das würde Investitionen erleichtern und die Konjunktur beleben. Gemeinsam mit Industriellenvereinigung und Universität Graz wurde dafür bereits eine umsetzungsfertige Handlungsanleitung erarbeitet.
Große Chancen sieht die WKO zudem durch die Koralmbahn: Entlang der Achse Graz–Klagenfurt entsteht nach Wien der zweitgrößte Ballungsraum des Landes. Nun brauche es eine gemeinsame regionalpolitische Agenda – vom Arbeitsmarkt über Infrastruktur und Innovation bis zur Vermarktung unter der Dachmarke AREA SÜD –, um diesen Wirtschaftsraum zu einem europäischen Vorzeigestandort zu entwickeln.
Weitere Forderungen:
Entlastung
• Steuer- und abgabenfreie Lohnerhöhungen
• Keine neuen Steuern/Abgaben; Automatismus bei Tourismusinteressentenbeiträgen abschaffen
Energiekosten
• Energiepreisbremse für energieintensive Betriebe
• Einheitliche, wettbewerbsfähige Netzkosten österreichweit
Arbeitsmarkt
• Umsetzung des dänischen Modells in der Pensionsreform
• Evaluierung der Frühpensionierungen
Deregulierung
• Gesetze entrümpeln, Verfahren beschleunigen
• Tiefgreifende Strukturreformen
Area Süd
• Umsetzung der gemeinsamen Maßnahmenagenda von WKO und Ländern
Gelingt jetzt ein gemeinsamer Schulterschluss von Politik und Wirtschaft, kann die Steiermark gestärkt aus der aktuellen Phase hervorgehen.
Fotocredit: Fischer
