Man stellt sich das immer viel zu leicht vor. Das meistverkaufte Auto der Welt, da kann einem ja eigentlich nichts mehr passieren, oder? Wer von einem Modell wie dem Toyota RAV4 so dermaßen viel absetzt, hat mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen. Was ändert man bei der Neuauflage, was lieber nicht? Wie soll er aussehen, wie angetrieben sein, schließlich steht viel auf dem Spiel. Der japanische Weg ist daher pragmatisch wie verständlich zugleich: Das Belassen, was passt. Und nur da eingreifen, wo Bedarf besteht, weswegen die sechste Generation des RAV4 vieles anders macht als die Konkurrenz.
Von allem genug
Erfreulich zum Beispiel ist, dass der Wagen praktisch nicht gewachsen ist. 4,60 Meter Länge reichen für genügend Platz in beiden Reihen, was auch dem großen Radstand von 2,69 Metern geschuldet ist. 514 bis maximal 1.706 Liter Laderaum reichen für alle Belange ebenso wie bis zu 2 Tonnen Anhängelast. Aufgrund der angenehmen Abmessungen gibt es zudem keine Probleme beim Parkplatzsuchen, wobei es den Designern hoch anzurechnen ist, dass der RAV4 dank cleverer Linienführungen trotzdem eine Nummer größer wirkt. Nachdem die inneren Werte aber weit mehr zählen, gibt es im Cockpit umso mehr Neuerungen: Der Fahrer sitzt vor einem 12,3 Zoll großen Display, das in Personalunion mit dem 12,9 Zoll großen Touchscreen am Armaturenbrett viele Funktionen zusammenfasst – aber eben nicht alle. Denn haptische Knöpfe für elementare Funktionen wie Lautstärke, Klimaregelung etc. finden sich auf dem Lenkrad und rings um die Mittelkonsole.
Immer zwei Herzen
Bei den Antrieben hat man sich ganz klar positioniert: Hybrid oder Plug-in-Hybrid. Front- oder Allradantrieb. Beide eint, dass sie ausschließlich mit Automatikgetriebe ausgeliefert werden und wer die 4×4-Option ankreuzt, bekommt an der Hinterachse einen zweiten E-Motor verpasst, womit man sich den ganzen Kram mit Verteilergetriebe und Kardanwelle ganz einfach einspart. Wer sich für die klassische Hybrid-Variante entscheidet, bekommt 185 PS beim Fronti und 194 Pferde beim Allradler, was mehr als ausreicht, zumal dank cleverem Zusammenspiel der Antriebe der Verbrauch bei verträglichen 5,7 Litern maximal hängenbleibt.
Teilzeit-Stromer
Wer ein wenig mehr Elektro möchte, dennoch auf die Vorzüge eines Benziners nicht verzichten will, dem sei der Plug-in-Hybrid ans Herz gelegt. Dort trifft der gleiche Vierzylinder wie beim normalen Hybriden auf deutlich größer dimensionierte E-Motoren, was 272 PS beim Fronti und satte 309 PS beim Allrad ergibt. Das ist aber nicht der eigentliche Clou. Dank eines 22,7 kWh großen Akkus schafft es dieser RAV4 nämlich, 134 beziehungsweise 137 Kilometer rein elektrisch unterwegs zu sein, womit die alltäglichen Fahrten in die Arbeit, zum Sport und zum Supermarkt und zurück ganz locker bewältigt werden können. Streng genommen, ist der RAV4 mit Stecker also auch ein Teilzeit-E-Auto, und zwar ein voll nutzbares, weil die Batterie mit 50 kW auch schnellgeladen werden kann: So vergeht gerade einmal eine halbe Stunde, um den Ladestand von zehn auf 80 Prozent zu bringen.
Fotos: Toyota