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Mehr eigener Strom: Steiermark erweitert ihr Energieportfolio

Drei lächelnde Personen in Geschäftskleidung halten Dokumente in den Händen und feiern vor einer grauen Wand die Erweiterung des Energieportfolios in der Steiermark: Windkraft und Solarstrom.
Landesrätin Simone Schmiedtbauer, Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom und Landesrat Stefan Hermann präsentierten das neue Sachprogramm Wind für bis zu 750 MW erneuerbare Energie

Der Strombedarf steigt, die Abhängigkeit von Energieimporten soll sinken: Die Steiermark schafft neue Flächen für Windenergie und Photovoltaik – und schützt zugleich sensible Natur- und Landschaftsräume. Für die Wirtschaft geht es um verlässliche Versorgung und darum, mehr Wertschöpfung im Land zu halten.

Die Energiewende ist auch eine Standortfrage. Elektrifizierte Mobilität, die Umstellung industrieller Prozesse und die Digitalisierung erhöhen den Strombedarf, betonte die steirische Landesregierung bei ihrer Pressekonferenz am 1. Oktober 2026. Mehr heimische Erzeugung soll die Abhängigkeit von internationalen Energiemärkten und deren Preisschwankungen reduzieren.

Mit der Novelle des Sachprogramms Windenergie, neuen Photovoltaik-Sonderstandorten in Kapfenberg und einer Beschleunigungsgebietsverordnung schafft das Land dafür zusätzliche Voraussetzungen. Entscheidend ist allerdings, wie aus möglichen Standorten eine funktionierende Energieversorgung wird.

„Mehrproduktion allein reicht nicht, wir brauchen gleichzeitig leistungsfähige Stromnetze, Speicher und Flexibilitätslösungen“, betonte Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom. Für Unternehmen zählt schließlich, dass der Strom dort verfügbar ist, wo er gebraucht wird.

Windenergie Steiermark: Mehr Potenzial, klare Schutzgrenzen

Die Novelle schafft zusätzliche Vorrang- und Eignungsflächen auf rund 4.000 Hektar. Ihr Windkraftpotenzial beträgt 450 bis 700 Megawatt und liegt damit über den im Regierungsprogramm angestrebten 400 Megawatt zusätzlicher Leistung.

„Energie ist heute weit mehr als eine Frage der Versorgung“, erklärte Landesrat Stefan Hermann. Er verwies auf ihre Bedeutung für Industrie, Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit.

Dem Ausbau stehen klare Schutzgrenzen gegenüber: Rund 27 Prozent der Landesfläche sind als Ausschlusszonen festgelegt. Nach Prüfung von 716 Stellungnahmen wurden die geplanten Eignungszonen „Steineck-Kammern“ und „Perchauer Eck“ gestrichen und mehrere Vorrangzonen angepasst. Berücksichtigt wurden unter anderem größere Abstände zu Wohngebäuden und der Schutz eines wertvollen Biotops. Maßnahmen für die Lebensräume von Birk- und Auerwild wurden beibehalten und teilweise präzisiert.

Photovoltaik in Kapfenberg: Strom nahe am Verbrauch

Besonders konkret wird der Wirtschaftsfokus in Kapfenberg: Rund 66 Hektar an den Standorten „Deponie Emberg“ und „Emberg Süd“ werden für großflächige Photovoltaikanlagen ausgewiesen. Sie liegen nahe dem Werksgelände von voestalpine Böhler. Der erzeugte Strom kann direkt für industrielle Prozesse genutzt werden.

Die technisch beziehungsweise baulich vorbelasteten Flächen beanspruchen laut Land keine hochwertigen landwirtschaftlichen Produktionsflächen. Damit wird erneuerbare Energie dort ermöglicht, wo ein großer Bedarf besteht.

Zusätzlich weist die Beschleunigungsgebietsverordnung insgesamt 724 Hektar für Solarenergieprojekte aus. Auf diesen bereits strategisch umweltgeprüften Flächen sollen vereinfachte und beschleunigte Genehmigungsverfahren möglich werden.

Vom Flächenangebot zur Versorgung

„Wir werden als Steiermark einen Mix brauchen“, betonte Energielandesrätin Simone Schmiedtbauer. Neben Windenergie und Photovoltaik hob sie Wasserkraft und Biomasse als wichtige Säulen hervor.

Für den Standort liegt die Chance im Zusammenspiel: mehr eigene Erzeugung, passende Netze und Speicher sowie kurze Wege zu großen Verbrauchern. Die Beschlüsse schaffen dafür die Grundlage. Konkrete Projekte, Genehmigungen und Investitionen müssen folgen. Das Sachprogramm Windenergie soll nach zwei Jahren evaluiert werden.

Foto © Land Steiermark/ Melanie Laimer